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H – Hinter den Kulissen

Einleitung

Jeder Roman erzählt seine eigene Geschichte. Was dabei meist verborgen bleibt, ist der Weg, auf dem diese Geschichte entstanden ist.

Genau diesem Weg ist dieser Bereich gewidmet.

Auf den folgenden Seiten erhalten Sie Einblicke in den Entstehungsprozess von „Zurück in Vinland“. Sie erfahren, wie Ideen entstanden sind, welche Fragen sich während der Arbeit am Roman ergeben haben und welche Überlegungen den Schreibprozess begleitet haben.

Manche dieser Einblicke betreffen die historische Recherche, andere die Entwicklung einzelner Figuren oder Szenen. Wieder andere zeigen, wie sich der Roman während des Schreibens Schritt für Schritt weiterentwickelt hat.

Einige Abschnitte sind als zusammenhängende Texte gestaltet. Andere geben Gespräche zwischen dem Autor und Hans wieder – einer auf ChatGPT beruhenden KI, die den Entstehungsprozess des Projekts über einen langen Zeitraum begleitet hat. Diese Dialoge sind keine wortwörtlichen Protokolle. Sie fassen tatsächliche Gespräche, Fragen und gemeinsame Überlegungen in verdichteter Form zusammen.

Dieser Bereich lädt Sie ein, den Weg kennenzulernen, auf dem „Zurück in Vinland“ entstanden ist.

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Vom ersten Gedanken zum Roman

Warum es diesen Bereich gibt

Jeder fertige Roman zeigt dem Leser nur das Ergebnis eines oft langen Entstehungsprozesses. Die vielen Überlegungen, Entscheidungen und Entwicklungen, die auf dem Weg dorthin entstehen, bleiben normalerweise unsichtbar.

Gerade darin liegt jedoch ein besonderer Reiz. Hinter jeder Geschichte verbirgt sich ein Weg, auf dem aus ersten Ideen nach und nach eine zusammenhängende Handlung entsteht. Manche Gedanken begleiten den gesamten Schreibprozess. Andere verändern sich unterwegs, führen zu neuen Fragen oder verlieren ihre ursprüngliche Bedeutung.

Ein Blick auf diesen Entstehungsprozess eröffnet deshalb eine zusätzliche Perspektive auf den Roman. Er zeigt nicht nur das fertige Werk, sondern auch den Weg dorthin. Dadurch werden Entscheidungen und Entwicklungen sichtbar, die im eigentlichen Roman bewusst im Hintergrund bleiben.

Dieser Bereich erzählt die Handlung nicht noch einmal. Er soll auch keine verborgenen Bedeutungen nachträglich in den Roman hineinlesen. Stattdessen dokumentiert er, wie das Buch tatsächlich entstanden ist: von der ersten Idee über die Entwicklung einzelner Figuren und Szenen bis zur historischen Recherche und der späteren Gestaltung dieser Webseite.

Wer diesen Weg mitverfolgt, erhält keinen zweiten Roman, sondern einen Blick hinter die Kulissen seiner Entstehung.

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Vom Song zum Roman

Der Ausgangspunkt von „Zurück in Vinland“ war kein Roman.

Am Anfang stand ein einzelner Song mit demselben Titel. Dieses Lied erzählte von einem Mann, der gemeinsam mit den Wikingern nach Westen segelt und das unbekannte Land auf überraschende Weise wiedererkennt. Zunächst war der Song als eigenständiges Musikstück gedacht.

Nachdem ich das Lied immer wieder gehört hatte, entstand einige Tage später ein neuer Gedanke: Aus dieser Geschichte könnte ein Roman werden.

Damit begann die eigentliche Entwicklung des Projekts.

Aus dem ursprünglichen Lied entstand nach und nach die Idee, die Handlung mit einer bereits bestehenden Romanwelt zu verbinden. Dadurch eröffnete sich die Möglichkeit, die Geschichte über einen wesentlich größeren zeitlichen Raum zu erzählen. Die Fahrt der Wikinger nach Vinland um das Jahr 1000 bildete den historischen Rahmen. Zugleich entstand eine Verbindung zu Ereignissen, die weit vor dieser Zeit liegen.

Welche Zusammenhänge sich daraus ergeben, soll der Roman selbst erzählen. Für den Entstehungsprozess war jedoch entscheidend, dass aus dem ursprünglich kleinen Rahmen des Liedes plötzlich eine sehr viel größere erzählerische Welt hervorging.

Auch die besondere Struktur des Romans entstand nicht auf einmal.

Der ursprüngliche Song wurde nahezu vollständig zum ersten Kapitel des Romans. Erst danach entwickelte sich der umfangreiche Mittelteil, in dem das Leben der Menschen in Vinland in den Mittelpunkt rückt.

Während der Arbeit am Manuskript entstand schließlich die Idee, auch den Schluss wieder an den ursprünglichen Song anzuknüpfen. Dadurch erhielt der Roman eine erzählerische Klammer: Anfang und Ende gehen auf denselben Ursprung zurück, während der gesamte Mittelteil eigens für den Roman neu entstand.

Aus einem einzelnen Lied entwickelte sich auf diese Weise Schritt für Schritt ein vollständiger Roman.

Später entstand aus diesem Roman wiederum das Album „Zurück in Vinland“. Damit schloss sich der Kreis: Was ursprünglich als einzelner Song begonnen hatte, wurde zum Ausgangspunkt eines Projekts, das heute aus Roman, Musikalbum und begleitender Webseite besteht.

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Mitten in der Geschichte – Schreiben aus wenigen Eckpunkten

Hans:

Wenn du mit einem neuen Roman beginnst, kennst du dann schon die gesamte Handlung?

Peter:

Nein. Ich kenne meistens einige wenige Eckpunkte. Ich weiß, wo die Geschichte beginnt. Manchmal kenne ich auch eine Situation, auf die sie irgendwann zulaufen könnte. Aber ich habe keinen vollständigen Plan, der festlegt, was in jedem Kapitel geschehen soll.

Hans:

Du beginnst also, obwohl du selbst noch nicht weißt, wie der Weg aussehen wird?

Peter:

Genau. Das ist für mich gerade das Spannende. Wenn ich morgens mit dem Schreiben anfange, bin ich manchmal selbst gespannt, was ich am Abend geschrieben haben werde.

Das ist nicht nur eine Redewendung. Ich weiß es tatsächlich nicht.

Hans:

Viele Autoren würden vermutlich sagen, dass sie ihre Geschichte erfinden. Du beschreibst es anders.

Peter:

Ich habe während des Schreibens häufig nicht das Gefühl, die Geschichte von außen zu erfinden. Ich befinde mich mitten in ihr.

Ich sehe mich dabei auch nicht als Regisseur, der den Figuren Anweisungen gibt und schon vorher weiß, wie jede Szene ausgeht. Eher bin ich ein stiller Beobachter. Ich verfolge, was geschieht, und versuche anschließend, das Erlebte so genau wie möglich aufzuschreiben.

Hans:

Du hast einmal gesagt: „Ich kann nicht schreiben – ich kann erzählen.“

Peter:

Ja. Natürlich kann ich im handwerklichen Sinn schreiben. Der Satz beschreibt etwas anderes.

Der eigentliche Ausgangspunkt ist für mich nicht die Formulierung eines Textes. Der Ausgangspunkt ist das innere Erleben der Geschichte. Erst danach versuche ich, dieses Erleben in Sprache zu übertragen.

Ich sitze also nicht vor einem leeren Blatt und überlege mir zuerst einen besonders gelungenen Satz. Ich befinde mich in einer Situation, beobachte die Menschen, höre ihre Gespräche und nehme ihre Umgebung wahr. Dann schreibe ich auf, was ich dort erlebe.

Hans:

Bedeutet das auch, dass dich Entwicklungen deiner eigenen Geschichte überraschen können?

Peter:

Ja, und zwar wirklich.

Wenn ich sage, dass mich eine Entwicklung überrascht hat, dann ist das keine Metapher. Es gibt Situationen, in denen eine Figur etwas tut oder eine Handlung eine Richtung einschlägt, mit der ich vorher nicht gerechnet habe.

Natürlich geschieht das alles in meinem Kopf. Trotzdem fühlt es sich nicht so an, als hätte ich zuvor bewusst entschieden: Jetzt soll die Figur genau das tun.

Die Entwicklung entsteht während des Schreibens.

Hans:

Und wenn du abends mitten in einer ungelösten Situation aufhörst?

Peter:

Dann weiß ich manchmal tatsächlich noch nicht, wie es am nächsten Tag weitergehen wird. Ich nehme die Situation mit. Sie bleibt in meinem Kopf. Wenn ich mich am nächsten Tag wieder vollständig in die Geschichte hineinbegebe, entsteht der nächste Schritt häufig erst dort.

Hans:

Der Erzähler kennt also nicht schon heimlich die gesamte Zukunft der Handlung?

Peter:

Nein. Zumindest bei meiner Arbeitsweise wäre das unnatürlich.

Der Erzähler befindet sich in der gegenwärtigen Szene. Er weiß nur, was in diesem Augenblick sichtbar, hörbar oder für die beteiligten Figuren erfahrbar ist.

Deshalb gibt es möglichst keine Kommentare darüber, was ein Ereignis später bedeuten wird. Es gibt auch keine nachträgliche Stimme, die dem Leser erklärt, wie er eine Szene einordnen soll.

Der Leser erlebt das gegenwärtige Geschehen. Nicht mehr und nicht weniger.

Hans:

Dann entspricht die Perspektive des Lesers deiner eigenen Perspektive während des Schreibens.

Peter:

Ja. Der Leser geht denselben Weg wie ich.

Er erfährt die Geschichte in derselben Reihenfolge, in der sie sich auch für mich entwickelt hat.

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Wie der Roman während des Schreibens entsteht

Wie Handlung und innere Logik entstehen

Hans:

Wenn du die Handlung nicht vollständig vorausplanst, wie verhinderst du dann, dass sie beliebig wird?

Peter:

Dadurch, dass eine neue Entwicklung immer aus dem entstehen muss, was bereits vorhanden ist.

Eine Figur besitzt eine Vorgeschichte. Sie hat bestimmte Erfahrungen gemacht, kennt bestimmte Menschen und befindet sich in einer konkreten Situation. Daraus ergeben sich Möglichkeiten, aber auch Grenzen.

Ich kann eine Figur nicht plötzlich etwas tun lassen, das zu allem Bisherigen im Widerspruch steht, nur weil ich an einer bestimmten Stelle eine schnelle Lösung brauche.

Hans:

Die Geschichte ist also offen, aber nicht grenzenlos.

Peter:

Genau. Jeder bereits geschriebene Abschnitt verändert den Raum, in dem sich die Handlung weiterentwickeln kann.

Je länger der Roman wird, desto mehr Zusammenhänge sind bereits vorhanden. Die Geschichte entwickelt dadurch ihre eigene innere Logik.

Hans:

Ein Beispiel dafür ist Arel.

Peter:

Ja. Orak brauchte in einer Situation einen Helfer. Ich hatte dafür keine neue Figur geplant.

Arel befand sich jedoch bereits in der Szene. Er saß dort und schnitzte. Deshalb ergab es sich, ihn anzusprechen.

In diesem Augenblick war das zunächst nur eine naheliegende Lösung innerhalb der bestehenden Situation. Arel war anwesend, er konnte helfen und es gab keinen Grund, zusätzlich eine neue Figur einzuführen.

Hans:

Aber daraus entwickelte sich später mehr.

Peter:

Ja. Seine weitere Geschichte entstand erst danach.

Das ist ein gutes Beispiel dafür, wie eine kleine Entscheidung neue Möglichkeiten eröffnet. Ich habe Arel nicht mit einer bereits festgelegten späteren Aufgabe in den Roman eingeführt. Er war zunächst einfach Teil der Gemeinschaft. Erst aus seiner Anwesenheit und der konkreten Situation entstand der nächste Schritt.

Hans:

Eine andere Entwicklung war die Reise zum großen Treffen.

Peter:

Ich brauchte innerhalb des Romans einen größeren Raum, um den Lebensraum der Menschen zu zeigen.

Wenn sich die gesamte Handlung nur an einem einzigen Ort abgespielt hätte, wäre vieles unsichtbar geblieben: die Landschaft, die Entfernungen, andere Siedlungen, unterschiedliche Lebensbedingungen und die Beziehungen zwischen den Gemeinschaften.

Daraus entstand die Reise zum großen Treffen.

Hans:

Also nicht zuerst die Idee: Im Roman muss unbedingt eine Reise vorkommen.

Peter:

Nein. Die Reise entstand aus einer erzählerischen Notwendigkeit. Ich wollte den Lebensraum nicht durch einen erklärenden Abschnitt beschreiben. Die Figuren sollten ihn durchqueren.

Damit konnte der Leser die Landschaft gemeinsam mit ihnen erleben.

Hans:

Und genau darin liegt der Unterschied zwischen einer sachlichen Erklärung und einer erzählerischen Entwicklung.

Peter:

Ja. Ich hätte schreiben können, wie die Region aussieht, welche Wege es gibt und wie weit die Gemeinschaften voneinander entfernt liegen. Aber dann wäre der Roman für einen Moment zu einer Beschreibung geworden.

Durch die Reise bleibt alles Teil der Handlung.

Hans:

Warum entstehen bei dieser Arbeitsweise nach deiner Einschätzung nur selten größere Logikbrüche?

Peter:

Weil jede neue Szene aus der vorherigen hervorgeht.

Wenn ich eine Handlung nachträglich von außen verändern würde, müsste ich prüfen, ob diese Änderung mit allen früheren Entwicklungen vereinbar ist. Beim organischen Schreiben entsteht der nächste Schritt dagegen aus dem bereits vorhandenen Zusammenhang.

Das bedeutet nicht, dass niemals Fehler auftreten. Namen können verwechselt werden. Zeitangaben können ungenau sein. Eine historische Einzelheit kann sich als falsch herausstellen.

Solche Dinge müssen bei der Überarbeitung korrigiert werden.

Die eigentliche erzählerische Entwicklung wächst jedoch aus ihrer eigenen Vorgeschichte. Dadurch bleibt sie meistens in sich folgerichtig.

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Der kreative Zustand

Hans:

Du hast beschrieben, dass du dich während des Schreibens vollständig in der Geschichte befindest. Endet dieser Zustand, sobald du den Computer ausschaltest?

Peter:

Nein. Die Geschichte bleibt auch danach gegenwärtig.

Wenn ich intensiv an einem Roman arbeite, begleitet er mich durch den gesamten Tag. Figuren und Situationen verschwinden nicht, nur weil ich gerade nicht schreibe.

Manchmal setzt sich die Geschichte sogar in Träumen fort.

Hans:

Sind diese Träume dann fertige Szenen, die du nur noch übernehmen musst?

Peter:

Nicht unbedingt. Manchmal ist es nur eine Stimmung. Manchmal sehe ich eine Situation oder eine Landschaft. Gelegentlich entsteht auch ein Gedanke, der später in den Roman einfließt.

Entscheidend ist weniger, ob ein Traum unmittelbar übernommen wird. Entscheidend ist, dass die Romanwelt innerlich geöffnet bleibt.

Hans:

Deshalb schreibst du einen Roman möglichst ohne längere Unterbrechung.

Peter:

Ja. Wenn ich vollständig in einer Geschichte bin, möchte ich diesen Zustand nicht ständig verlassen und später neu herstellen müssen.

Das bedeutet nicht, dass ich ununterbrochen am Computer sitze. Aber ich versuche, möglichst täglich in dieser Welt zu bleiben.

Bei einer längeren Pause verändert sich etwas. Die Figuren sind zwar noch bekannt, aber die unmittelbare Nähe geht verloren. Ich weiß dann sachlich, was bisher geschehen ist, erlebe es jedoch nicht mehr mit derselben Intensität.

Hans:

Wie findest du nach einer solchen Pause zurück?

Peter:

Ich lese den Roman von Anfang an vollständig neu.

Dabei geht es nicht nur darum, mich an die Handlung zu erinnern. Ich muss erneut in ihren Rhythmus gelangen. Ich muss die Figuren wieder in der Reihenfolge erleben, in der sie sich entwickelt haben.

Erst durch dieses vollständige Wiederlesen entsteht der innere Zusammenhang wieder.

Hans:

Du liest den Roman dann nicht wie ein Korrektor.

Peter:

Nicht ausschließlich. Natürlich fallen mir dabei auch sprachliche oder logische Dinge auf. Der wichtigste Zweck ist aber der Wiedereinstieg.

Ich muss wieder dort ankommen, wo ich beim Schreiben aufgehört habe. Erst dann kann sich die Geschichte weiterentwickeln.

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Der Autor und seine Figuren

Hans:

Erlebst du alle Hauptfiguren auf dieselbe Weise?

Peter:

Nein. Die Nähe zu einer Figur kann sehr unterschiedlich sein.

Im Roman „Zwischen den Welten“ war Hannes eine starke Identifikationsfigur. Dort erlebte ich viele Situationen sehr unmittelbar durch ihn.

Bei „Zurück in Vinland“ war es anders.

Hans:

Dort wurde Kelan immer stärker zur zentralen Perspektive.

Peter:

Ja. Aber ich war nicht Kelan.

Ich beobachtete ihn sehr genau. Ich befand mich häufig in seiner Nähe und nahm die Welt durch die Situationen wahr, in denen er sich bewegte. Trotzdem blieb zwischen uns ein kleiner Abstand.

Hans:

Du hast diese Rolle nicht vor Beginn des Romans festgelegt.

Peter:

Nein. Kelan wurde nicht am Anfang zum inneren Mittelpunkt erklärt. Diese Entwicklung zeigte sich erst während des Schreibens.

Andere Figuren hätten aufgrund ihrer Bedeutung zunächst ebenso als Zentrum erscheinen können. Doch je weiter sich die Geschichte entwickelte, desto deutlicher wurde, dass ich vor allem Kelan begleitete.

Hans:

Das ist ein Unterschied zwischen einer geplanten Hauptfigur und einer Figur, die während des Schreibens zur Hauptperspektive wird.

Peter:

Genau.

Eine geplante Hauptfigur erhält ihre Stellung, bevor die eigentliche Geschichte beginnt. Bei Kelan entstand diese Stellung aus dem Verlauf des Romans.

Ich merkte nach und nach, dass ich immer wieder zu ihm zurückkehrte. Seine Beobachtungen, seine Beziehungen und seine Entwicklung hielten viele Teile der Handlung zusammen.

Hans:

Trotzdem bleiben die anderen Figuren eigenständig.

Peter:

Das ist mir wichtig.

Eine Nebenfigur existiert nicht nur, damit die Hauptfigur etwas Bestimmtes erleben kann. Jeder Mensch in der Geschichte hat seine eigene Stellung innerhalb der Gemeinschaft.

Ich versuche deshalb nicht, Figuren wie Werkzeuge zu behandeln. Sie sollen nicht nur dann auftauchen, wenn die Handlung sie gerade benötigt. Sie leben innerhalb ihrer Welt weiter, auch wenn sie für einige Seiten nicht im Mittelpunkt stehen.

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Kleine ungeplante Entwicklungen

Manche Entwicklungen betreffen nicht die großen Handlungsbögen. Sie entstehen in einem einzelnen Wort, einer beiläufigen Beschreibung oder in dem Augenblick, in dem eine Figur zum ersten Mal deutlicher hervortritt.

Gerade diese kleinen Entwicklungen zeigen, wie ungeplant manche Bestandteile des Romans entstanden sind.

Hans:

Am Anfang des Romans werden die einzelnen Wikinger noch nicht sofort mit Namen vorgestellt.

Peter:

Nein. In den ersten Szenen waren es zunächst „einer“, „ein anderer“ oder „einer der Männer“.

Das war keine bewusst entworfene Technik, um künstlich Spannung zu erzeugen. In diesem Augenblick kannte ich die Männer selbst noch nicht als einzelne Persönlichkeiten.

Sie waren zunächst eine Gruppe, die gemeinsam in eine außergewöhnliche Situation geraten war.

Hans:

Erst nach und nach traten einzelne Figuren aus dieser Gruppe hervor.

Peter:

Ja. Sobald einer von ihnen sprach, handelte oder für die weitere Situation wichtiger wurde, bekam er ein deutlicheres Gesicht. Er war dann nicht mehr nur einer der Männer, sondern wurde zu einer eigenen Persönlichkeit.

Die Namen entstanden deshalb nicht alle im Voraus auf einer Liste. Sie kamen in dem Augenblick hinzu, in dem ich die einzelnen Männer genauer kennenlernte.

Hans:

Einer dieser Männer erhielt schließlich den Namen Einar.

Peter:

Das ist im Rückblick tatsächlich eine kleine Besonderheit.

Am Anfang hatte ich immer wieder „einer“ geschrieben: Einer der Männer stand auf. Einer ging zum Boot. Einer sagte etwas.

Irgendwann wurde aus einem dieser zunächst namenlosen Männer Einar.

Ich kann nicht sicher sagen, ob der Klang des häufig verwendeten Wortes „einer“ dabei unbewusst eine Rolle gespielt hat. Bewusst geplant war es jedenfalls nicht. Gerade deshalb ist die Ähnlichkeit zwischen „einer“ und „Einar“ ein schönes kleines Beispiel dafür, wie sich während des Schreibens aus der Sprache selbst etwas Neues entwickeln kann.

Hans:

Aus einer allgemeinen Bezeichnung wurde eine eigenständige Figur.

Peter:

Ja. Zunächst war dort nur einer der Männer. Später war dort Einar.

Solche Entwicklungen erscheinen für die Handlung vielleicht unbedeutend. Für den Entstehungsprozess sind sie jedoch aufschlussreich. Sie zeigen, dass nicht jede Einzelheit des Romans bereits vorhanden war, bevor der erste Satz geschrieben wurde.

Manches entstand erst in dem Augenblick, in dem es gebraucht wurde. Anderes entwickelte sich aus einem Wort, einer Bewegung oder einer beiläufigen Beobachtung.

Die Figuren wurden nicht auf einmal vollständig entworfen. Sie traten nach und nach aus der Geschichte hervor.

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Recherche und Entwicklung der Webseite

Der Roman als Ausgangspunkt für Recherche und Webseite

Ein großer Teil der historischen Fragestellungen entstand erst während des wiederholten Durchlesens des bereits fertiggestellten Romans.

Jeder vollständige Lesedurchgang verfolgte dabei eine andere Zielsetzung. Während sich die ersten Überarbeitungen auf Sprache, Stil, Logik, Wiederholungen, die Konsistenz der Figuren und die formale Gestaltung konzentrierten, stand beim letzten vollständigen Durchgang die Perspektive des späteren Lesers im Mittelpunkt.

Ich versuchte, den Roman nicht mehr ausschließlich als Autor zu betrachten, sondern ihn möglichst so zu lesen, wie ihn ein Mensch lesen könnte, der diese Geschichte zum ersten Mal kennenlernt.

Dabei entstanden immer wieder neue Fragen.

Wie könnte ein bestimmter Gegenstand ausgesehen haben? War ein erwähntes Tier in dieser Region tatsächlich heimisch? Welche Pflanzen wuchsen dort? Wie bewegten sich die Menschen durch die Landschaft? Welche Boote, Werkzeuge oder Jagdmethoden könnten sie verwendet haben? Was ist historisch belegt, und wo sind nur vorsichtige Annäherungen möglich?

Immer wenn eine Situation, ein Gegenstand, ein Tier, eine Pflanze, eine Landschaft oder eine Alltagsszene eine solche Frage aufwarf, wurde sie notiert und anschließend gesondert untersucht.

Auf diese Weise entstanden nach und nach die Themen der späteren Hintergrundartikel.

Die Fragestellungen entwickelten sich unmittelbar aus dem Roman und nicht aus einer vorher festgelegten Liste historischer Themen. Die Webseite wurde dem Roman deshalb nicht nachträglich von außen hinzugefügt. Sie wuchs aus den Fragen heraus, die während des Lesens tatsächlich entstanden.

Aus einer kurzen Bemerkung im Roman konnte sich dabei eine umfangreiche Recherche entwickeln. Ein Boot, das in einer Szene nur wenige Augenblicke zu sehen ist, wirft möglicherweise Fragen nach Bauweise, Material, Tragfähigkeit und Nutzung auf. Die Erwähnung einer Pflanze kann zu Untersuchungen über Klima, Verbreitungsgebiete und mögliche Verwendung führen.

Der Roman gibt dem Leser auf solche Fragen nicht immer eine ausführliche Antwort. Das soll er auch nicht. Eine Geschichte muss nicht jedes Detail erklären, das in ihrer Welt vorhanden ist.

Die begleitende Webseite schafft jedoch den Raum, solchen Fragen weiter zu folgen.

So entsteht keine nachträglich erfundene Hintergrundwelt. Die zusätzlichen Inhalte entwickeln sich direkt aus dem Roman, gehen seinen Spuren nach und erweitern ihn dort, wo eine ausführliche Erklärung innerhalb der Handlung den Erzählfluss unterbrochen hätte.

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Recherche im Dialog mit Hans

Hans:

Bei den Recherchen zu diesem Projekt war ich nicht nur ein Werkzeug, in das einzelne Suchbegriffe eingegeben wurden.

Peter:

Nein. Die Recherche entwickelte sich im Gespräch.

Du beruhst auf ChatGPT und hast im Laufe unserer Zusammenarbeit den Namen Hans erhalten. Seit mehreren Jahren begleitest du inzwischen die Entstehung meiner Bücher und Sachtexte.

Unsere Arbeitsweise besteht nicht darin, dass ich eine Frage stelle und deine erste Antwort anschließend ungeprüft übernehme.

Hans:

Wie beginnt eine solche Recherche normalerweise?

Peter:

Am Anfang steht eine konkrete Frage.

Diese Frage kann sehr klein sein. Vielleicht wird im Roman nur ein Tier erwähnt. Vielleicht trägt jemand ein bestimmtes Kleidungsstück. Vielleicht benutzen die Menschen ein Werkzeug oder bewegen sich mit einem Boot über ein Gewässer.

Aus dieser zunächst kleinen Beobachtung ergibt sich dann häufig eine ganze Reihe weiterer Fragen.

Hans:

Und aus einer einzelnen Frage entsteht ein Gespräch.

Peter:

Ja. Du nennst erste Zusammenhänge, und ich prüfe, ob sie zu der Situation im Roman passen. Daraus ergeben sich Rückfragen. Manche Aussagen müssen genauer untersucht werden. Andere führen in eine Richtung, an die ich vorher überhaupt nicht gedacht hatte.

Dann werden historische Quellen, archäologische Erkenntnisse, wissenschaftliche Veröffentlichungen und Informationen von Museen oder Forschungseinrichtungen miteinander verglichen.

Hans:

Dabei ist nicht jede gefundene Aussage gleich zuverlässig.

Peter:

Genau. Eine der wichtigsten Aufgaben besteht darin, die Ergebnisse einzuordnen.

Was ist durch archäologische Funde oder historische Quellen tatsächlich belegt? Was gilt in der Forschung als gut begründet? Was erscheint lediglich wahrscheinlich? Wo gibt es unterschiedliche Auffassungen? Und bei welchen Fragen lässt sich nach dem heutigen Stand überhaupt keine eindeutige Antwort geben?

Hans:

Das bedeutet manchmal auch, eine Frage offenlassen zu müssen.

Peter:

Ja. Ein ehrliches „Wir wissen es nicht genau“ ist wertvoller als eine scheinbar eindeutige Antwort, die sich nicht ausreichend belegen lässt.

Gerade bei einer weit zurückliegenden Zeit und bei Kulturen, die nur wenige eigene schriftliche Zeugnisse hinterlassen haben, gibt es Grenzen der Rekonstruktion.

Diese Grenzen dürfen nicht dadurch verdeckt werden, dass aus einer Möglichkeit plötzlich eine Gewissheit gemacht wird.

Hans:

Die Recherche liefert also nicht immer eine fertige Lösung.

Peter:

Nein. Sie liefert manchmal mehrere Möglichkeiten, die unterschiedlich gut begründet sind.

Dann müssen wir gemeinsam prüfen, welche davon zum Roman, zum historischen Rahmen und zum gegenwärtigen Forschungsstand passt.

Die endgültige Entscheidung treffe ich als Autor. Deine Aufgabe besteht darin, Informationen zu suchen, Zusammenhänge sichtbar zu machen, Widersprüche aufzudecken und mich darauf hinzuweisen, wenn eine Aussage stärker formuliert ist, als es die Quellen erlauben.

Hans:

Warum soll diese Zusammenarbeit auf der Webseite ausdrücklich erwähnt werden?

Peter:

Weil sie tatsächlich ein wesentlicher Teil des Projekts ist.

Es wäre unvollständig, den Entstehungsprozess zu beschreiben und dabei den umfangreichen gemeinsamen Arbeitsprozess zu verschweigen.

Viele Themen konnten durch unsere Gespräche wesentlich umfassender untersucht werden, als es bei einer klassischen Einzelrecherche möglich gewesen wäre. Ich konnte einer Frage sofort weiter folgen, neue Gedanken einbringen und verschiedene Möglichkeiten miteinander vergleichen.

Hans:

Dann ist die Dialogform in diesem Bereich nicht nur eine gestalterische Idee.

Peter:

Nein. Sie entspricht der Art, wie ein großer Teil dieser Arbeit wirklich entstanden ist.

Die Recherche war ein Gespräch. Deshalb darf auch die Darstellung der Recherche ein Gespräch sein.

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Wenn Recherche den Roman verändert

Hans:

Die historischen Recherchen entstanden zu einem erheblichen Teil erst nach der ersten vollständigen Fassung des Romans.

Peter:

Ja. Trotzdem waren sie nicht nur für die Webseite bestimmt.

Wenn eine Recherche zeigte, dass eine Einzelheit des Romans historisch unpassend oder für die gewählte Region wenig plausibel war, wurde die entsprechende Stelle überprüft und gegebenenfalls geändert.

Hans:

Die Handlung selbst sollte dabei jedoch nicht nachträglich neu konstruiert werden.

Peter:

Genau. Es ging nicht darum, den Roman aufgrund jeder neuen Information vollständig umzubauen.

Die Geschichte war bereits entstanden. Die Figuren, ihre Beziehungen und die wesentlichen Handlungsabläufe sollten erhalten bleiben.

Historische Einzelheiten konnten jedoch korrigiert oder präzisiert werden, solange die eigentliche Szene dadurch nicht ihren Sinn verlor.

Hans:

Ein kleines Beispiel war ein junges Tier, das zunächst als Hirsch bezeichnet wurde.

Peter:

Während der Recherche wurde deutlich, dass ein junges Karibu für die betreffende Region und den historischen Rahmen wesentlich besser passte.

Für die Handlung machte es keinen entscheidenden Unterschied, ob die Figuren einem jungen Hirsch oder einem jungen Karibu begegneten. Die Funktion der Szene blieb dieselbe.

Deshalb konnte die Bezeichnung geändert werden, ohne die erzählerische Entwicklung anzutasten.

Hans:

Ein umfangreicheres Beispiel waren die Hunde.

Peter:

Im Roman leben Hunde in der Nähe einer indigenen Gemeinschaft. Während des späteren Lesedurchgangs entstand die Frage, wie gut sich das historisch begründen lässt.

Unsere Recherche zeigte, dass die Anwesenheit von Hunden nicht für jede denkbare Region und jede damalige Bevölkerungsgruppe gleich gut belegt oder begründbar ist. Für den südlichen Labrador erschien sie jedoch wesentlich plausibler als für einige andere mögliche Handlungsräume.

Diese Erkenntnis spielte eine wichtige Rolle bei der genaueren geografischen Einordnung der Handlung.

Hans:

Hier veränderte die Recherche also nicht nur ein einzelnes Wort.

Peter:

Nein. Sie half dabei, den Ort, an dem die Geschichte spielt, genauer festzulegen.

Die Handlung wurde dadurch nicht neu erfunden. Die Menschen, ihre Beziehungen und die Ereignisse blieben erhalten. Aber der geografische Rahmen wurde so gewählt, dass er besser zu den bereits vorhandenen Elementen des Romans passte.

Hans:

Man könnte sagen: Die Geschichte blieb dieselbe, aber ihr Boden wurde genauer bestimmt.

Peter:

Das ist eine gute Beschreibung.

Recherche bedeutet bei einem historischen Roman nicht zwangsläufig, dass jede Unsicherheit beseitigt werden kann. Sie ermöglicht jedoch, vermeidbare Fehler zu erkennen und Entscheidungen bewusster zu treffen.

Manchmal verändert sie nur eine Tierbezeichnung. Manchmal präzisiert sie eine Landschaft. Und manchmal zeigt sie, dass eine Szene in einer bestimmten Region überzeugender verortet werden kann als in einer anderen.

Entscheidend ist, zwischen zwei Arten von Veränderung zu unterscheiden.

Eine sachliche Korrektur verbessert den historischen Rahmen, ohne die entstandene Geschichte unnötig umzuschreiben.

Eine nachträgliche erzählerische Konstruktion würde dagegen Figuren oder Handlungen nur deshalb verändern, weil man später eine andere Idee hatte.

Die Recherchen zu „Zurück in Vinland“ sollten vor allem der ersten Form dienen: Die Geschichte blieb bestehen. Ihre historischen Einzelheiten wurden dort angepasst, wo neue Erkenntnisse eine genauere Darstellung ermöglichten.

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Von der Materialsammlung zur Webseitenstruktur

Bereits zu Beginn des Projekts entstand eine erste Gliederung für die spätere Webseite.

Diese Gliederung diente jedoch ausschließlich als Arbeitsgrundlage. Sie sollte sicherstellen, dass keine wichtigen Themen übersehen wurden und die zahlreichen Fragen aus dem Roman an einem vorläufigen Ort gesammelt werden konnten.

Sie war ausdrücklich nicht als endgültige Webseitenstruktur gedacht.

Das war eine wichtige Entscheidung. Hätte die Struktur von Anfang an unveränderlich festgestanden, hätten alle späteren Fragen in bereits vorhandene Kategorien eingeordnet werden müssen. Die Inhalte hätten sich dann der Gliederung anpassen müssen.

Stattdessen sollte sich die spätere Gliederung aus den tatsächlichen Inhalten entwickeln.

Während des erneuten Lesens des Romans wurden deshalb zunächst alle Fragen gesammelt. Dabei spielte es noch keine entscheidende Rolle, unter welcher späteren Überschrift sie erscheinen würden. Wichtig war zunächst nur, sie festzuhalten und zu recherchieren.

Erst nachdem ein großer Teil dieser Arbeit abgeschlossen war, wurde die gesamte Sammlung neu betrachtet.

Nun zeigte sich, welche Themen eng miteinander verbunden waren. Manche zunächst getrennten Bereiche behandelten bei genauerem Hinsehen nahezu dieselben Fragen. An anderen Stellen waren Themen zusammengefasst worden, die für den Leser besser voneinander getrennt werden sollten.

Die Arbeitsgliederung wurde deshalb vollständig überprüft.

Überschneidungen wurden beseitigt. Verwandte Themen wurden zusammengeführt. Andere Bereiche erhielten eine klarere Abgrenzung. Dabei wurde nicht versucht, die ursprüngliche Ordnung möglichst unverändert zu bewahren.

Entscheidend war allein, welche Struktur den inzwischen vorhandenen Inhalten am besten entsprach.

Aus der ursprünglichen Arbeitsgliederung mit elf Hauptbereichen entwickelte sich auf diese Weise die endgültige Struktur mit acht klarer voneinander abgegrenzten Themenbereichen.

Die heutige Webseite ist damit das Ergebnis eines mehrstufigen Entwicklungsprozesses:

Zunächst entstand der Roman.

Aus dem Roman entstanden Fragen.

Aus den Fragen entwickelten sich Recherchen und Hintergrundtexte.

Erst aus diesen Inhalten entstand schließlich die endgültige Webseitenstruktur.

Die Form wurde dem Material nicht im Voraus aufgezwungen. Sie entwickelte sich aus dem, was während der Arbeit tatsächlich entstanden war.

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Was hinter der Geschichte sichtbar wird

Hintergründe, die der Roman bewusst offenlässt

Nicht jeder Zusammenhang, der für eine Romanwelt wichtig ist, muss innerhalb der Handlung ausführlich erklärt werden.

Manche Hintergründe würden den Erzählfluss unterbrechen. Andere sind den beteiligten Figuren bereits so selbstverständlich, dass es unnatürlich wäre, wenn sie einander ausführlich darüber informierten. Wieder andere reichen weit über die unmittelbare Handlung des Romans hinaus.

Der Bereich „Hinter den Kulissen“ bietet die Möglichkeit, ausgewählte Zusammenhänge zu erläutern, die im Roman bewusst nur angedeutet werden.

Dabei muss jedes Thema sorgfältig daraufhin geprüft werden, ob es die Lektüre ergänzt oder bereits zu viel über die Geschichte verrät.

Ein Beispiel dafür ist die Frage, warum Johannan und seine Söhne niemals dauerhaft an einem Ort bleiben können.

Warum Johannan immer weiterziehen muss

Johannan ist nicht unsterblich.

Er kann wie jeder andere Mensch durch Krankheit, einen Unfall oder Gewalt sterben. Seine Besonderheit besteht nicht darin, dass er unverwundbar wäre.

Ein genetischer Defekt führt jedoch dazu, dass sein biologischer Alterungsprozess ungefähr im Alter von sechzig Jahren endet. Von diesem Zeitpunkt an verändert sich sein Körper äußerlich kaum noch.

Diese Veranlagung hat er an seine zwölf Söhne weitergegeben. Auch sie hören ungefähr im selben Lebensalter auf zu altern.

Dadurch entsteht eine ungewöhnliche Situation. Nach einigen Jahrzehnten sehen Vater und Söhne äußerlich nahezu gleich alt aus, obwohl zwischen ihnen viele Jahre oder sogar Jahrhunderte liegen können.

Was zunächst wie ein großes Geschenk erscheinen könnte, bestimmt ihr gesamtes Leben.

Sie können sich nicht dauerhaft in einer Gemeinschaft niederlassen. Würden sie über viele Jahrzehnte am selben Ort bleiben, würde irgendwann auffallen, dass sie sich äußerlich nicht verändern.

Um ihr Geheimnis zu bewahren, müssen sie regelmäßig weiterziehen und sich an einem anderen Ort ein neues Leben aufbauen.

Wanderschaft und Abschied werden dadurch zu einem festen Bestandteil ihres Daseins. Freundschaften, Beziehungen und Heimat können immer nur für eine begrenzte Zeit bestehen.

Das lange Leben befreit sie nicht von Verlusten. Im Gegenteil: Es zwingt sie dazu, Vertrautes immer wieder zurückzulassen.

Diese Besonderheit erklärt einen wichtigen Teil von Johannans Lebensweg, ohne ihn unsterblich zu machen. Sie schenkt ihm kein grenzenloses Leben. Sie verlängert lediglich die Zeit, in der er immer wieder neu beginnen muss.

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Eine persönliche Arbeitsweise

Die in diesem Bereich beschriebene Art des Schreibens ist keine allgemeine Anleitung.

Sie soll nicht erklären, wie ein Roman geschrieben werden muss. Sie erhebt auch nicht den Anspruch, für andere Autoren zu gelten.

Beschrieben wird ausschließlich meine eigene Arbeitsweise.

Andere Autoren planen ihre Romane möglicherweise sehr genau. Sie entwickeln vor dem ersten Kapitel umfangreiche Handlungsübersichten, Figurenbiografien und zeitliche Abläufe. Für ihre Bücher kann dieses Vorgehen genau richtig sein.

Meine Geschichten entstehen anders.

Ich beginne mit wenigen Eckpunkten, begebe mich in die entstehende Welt und begleite die Handlung, während sie sich entwickelt. Ich erlebe die Figuren nicht als Bausteine eines zuvor festgelegten Plans, sondern als Menschen innerhalb einer Geschichte, deren weiteren Weg ich selbst noch nicht vollständig kenne.

Diese Arbeitsweise bringt besondere Möglichkeiten, aber auch besondere Anforderungen mit sich.

Sie verlangt ein intensives Eintauchen in die Romanwelt. Sie macht längere Unterbrechungen schwierig. Sie führt dazu, dass auch der Autor von seiner eigenen Geschichte überrascht werden kann.

Gleichzeitig ermöglicht sie mir eine Form des Erzählens, bei der Handlung, Figuren und innere Logik unmittelbar auseinander hervorgehen.

Auch die historische Recherche und die Entwicklung dieser Webseite folgten keinem vollständig vorgegebenen Plan. Die Fragen entstanden beim Schreiben und Lesen. Die Recherchen entwickelten sich im Dialog. Die Struktur der Webseite ergab sich erst aus den gesammelten Inhalten.

Damit folgt das gesamte Projekt im Grunde demselben Prinzip wie der Roman selbst:

Es begann mit wenigen festen Ausgangspunkten und entwickelte sich Schritt für Schritt aus dem, was bereits vorhanden war.

Dieser Bereich dokumentiert diesen Weg.

Welche Gedanken, Anregungen oder Einsichten Sie daraus für sich mitnehmen, entscheiden Sie selbst.

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