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E – Die Menschen in Vinland

Zwischen archäologischen Spuren und gelebtem Alltag

Der Roman „Zurück in Vinland“ erzählt von einer Begegnung mit Menschen, die lange vor der Ankunft der Nordmänner in Nordamerika lebten. Doch wer waren diese Menschen? Wie wohnten sie? Wovon ernährten sie sich? Wie jagten sie, wie erzogen sie ihre Kinder, und welches Wissen besaßen sie über ihre Umwelt?

Einfache Antworten gibt es darauf nicht. Um das Jahr 1000 lebte in Labrador keine einheitliche Bevölkerung mit einer gemeinsamen Lebensweise. Je nach Region begegneten sich unterschiedliche indigene Kulturen, deren Lebensräume sich teilweise überschnitten. Im nördlichen und küstennahen Labrador lebten Gruppen der Dorset-Kultur. In den bewaldeten Gebieten des mittleren und südlichen Labradors finden sich dagegen Spuren von First-Nations-Gruppen, die von der Archäologie der sogenannten Recent Period Tradition zugeordnet werden.

Für diese Tradition unterscheidet die Forschung unter anderem den älteren Daniel-Rattle-Komplex und den späteren Point-Revenge-Komplex. Diese Namen stammen von archäologischen Fundorten. Sie sind keine Selbstbezeichnungen der damaligen Menschen. Um das Jahr 1000 befand sich diese kulturelle Entwicklung ungefähr im Übergang zwischen beiden Fundkomplexen. In vielen Darstellungen werden diese Menschen mit den Vorfahren der späteren Innu in Verbindung gebracht. Wie genau diese Verbindung verlief, ist jedoch weiterhin Gegenstand der Forschung.

Die folgenden Texte konzentrieren sich deshalb bewusst auf eine indigene First-Nations-Gemeinschaft im südlichen beziehungsweise mittleren Labrador. Sie beschreiben nicht die Dorset-Kultur und auch nicht die später nach Labrador eingewanderten Thule, die als direkte Vorfahren der heutigen Inuit gelten.

Die archäologischen Funde liefern vor allem Feuerstellen, Steinwerkzeuge, Spuren von Behausungen und Hinweise auf die genutzten Rohstoffe. Kleidung, Holzgeräte, Pflanzenfasern, Felle und viele andere organische Materialien sind nur selten erhalten geblieben. Um ein vollständigeres Bild des damaligen Lebens zu gewinnen, werden deshalb zusätzlich später dokumentierte Traditionen der Innu herangezogen. Diese Vergleiche können Zusammenhänge sichtbar machen, sie beweisen jedoch nicht, dass jede einzelne Sitte bereits um das Jahr 1000 in genau derselben Form bestand.

Die Menschen, um die es hier geht, waren keine Bewohner einer unberührten und menschenleeren Wildnis. Sie kannten ihre Landschaft, verfügten über weitreichende Verbindungen und hatten ihre Lebensweise über viele Generationen an die Bedingungen Labradors angepasst. Was einem Fremden als unwegsames Land erscheinen mochte, war für sie ein vertrauter Lebensraum voller Wege, Zeichen, Nahrungsquellen und Geschichten.

1. Alltag im Jahreslauf

Das Leben der Menschen im südlichen Labrador wurde nicht durch einen festen Kalender bestimmt. Der Jahreslauf ergab sich aus dem Wetter, dem Zustand der Gewässer, den Wanderungen der Tiere und der Reifezeit der Pflanzen.

Ein Ort, der im Sommer reichlich Nahrung bot, konnte im Winter beinahe wertlos sein. Ein Fluss, an dem sich im Frühjahr Fische sammeln ließen, war einige Monate später möglicherweise nur noch ein Reiseweg. Karibus hielten sich nicht das ganze Jahr über in denselben Gebieten auf. Auch Robben, Wasservögel und andere Tiere waren nur zu bestimmten Zeiten zuverlässig erreichbar.

Die Menschen mussten deshalb beweglich bleiben. Das bedeutet nicht, dass sie ohne Heimat von Ort zu Ort irrten. Sie bewegten sich innerhalb eines bekannten Gebietes und kehrten wahrscheinlich regelmäßig zu bewährten Lagerplätzen, Jagdgebieten, Flussübergängen und Küstenabschnitten zurück.

Archäologische und ethnografische Forschungen beschreiben einen jahreszeitlichen Wechsel zwischen kleineren Familienlagern und größeren Zusammenkünften. Im Herbst und Winter hielten sich viele Gruppen stärker im Landesinneren auf, wo die Jagd auf Karibus und anderes Landwild im Mittelpunkt stand. Im Frühjahr boten Flüsse, Seen und Feuchtgebiete Fische und Wasservögel. Während des Sommers konnten Küstenplätze genutzt werden, um Fische, Robben, Vögel und andere maritime Ressourcen zu gewinnen.

Ein Dorf oder Lager an der Küste muss daher nicht zwingend das ganze Jahr hindurch bewohnt worden sein. Es konnte ein wiederkehrender Sommerplatz sein, an dem dieselben Familien jedes Jahr erneut ihre Behausungen errichteten. Ein anderer Ort konnte als Winterlager, Jagdstation oder Treffpunkt dienen.

Der Tagesablauf richtete sich nach dem vorhandenen Licht und nach den unmittelbar notwendigen Arbeiten. Wenn eine Wanderung bevorstand, mussten Ausrüstung und Vorräte vorbereitet werden. Nach einer erfolgreichen Jagd konnte die Verarbeitung eines Tieres viele Menschen über längere Zeit beschäftigen. Bei schlechtem Wetter wurden Werkzeuge repariert, Felle bearbeitet, Kleidung hergestellt oder Geschichten erzählt.

Nicht jede Tätigkeit war ständig gleich wichtig. Im Sommer konnte das Sammeln und Verarbeiten von Nahrung fast den gesamten Tag beanspruchen. Vor dem Winter mussten Kleidung, Behausungen und Vorräte in gutem Zustand sein. Während einer Jagdzeit rückten andere Arbeiten in den Hintergrund.

Das Leben folgte deshalb keinem gleichmäßigen Rhythmus. Es wechselte zwischen langen Phasen sorgfältiger Vorbereitung, körperlich anstrengender Arbeit, angespanntem Warten und Zeiten gemeinsamer Ruhe.

Auch das Wetter bestimmte, was möglich war. Starker Wind konnte eine Fahrt auf dem Wasser verhindern. Dauerregen erschwerte das Trocknen von Fleisch und Kleidung. Tauwetter machte Wege unpassierbar, während gefrorene Seen und Flüsse neue Verbindungen eröffneten.

Die Menschen mussten nicht nur wissen, wo sie etwas fanden. Sie mussten auch wissen, wann sie dort sein mussten. Dieses Wissen über den richtigen Zeitpunkt war eine der wichtigsten Voraussetzungen ihres Überlebens.

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2. Familie, Kinder und Erziehung

Die Familie war die kleinste dauerhaft verlässliche Einheit des Zusammenlebens. Für den größten Teil des Jahres lebten wahrscheinlich mehrere miteinander verbundene Familien gemeinsam. Später dokumentierte Innu-Traditionen zeigen Gruppen, in denen jede Familie ihre eigene Behausung besaß, während Jagd, Reisen und viele Arbeiten gemeinschaftlich organisiert wurden.

Eine Familie bestand nicht nur aus Eltern und ihren Kindern. Großeltern, Geschwister der Eltern, ältere Jugendliche und andere Verwandte konnten eng in den Alltag eingebunden sein. In einer kleinen Gemeinschaft ließ sich die Betreuung der Kinder nicht ausschließlich einer einzelnen Person übertragen. Viele Erwachsene mussten dazu beitragen, Wissen weiterzugeben und Sicherheit zu gewährleisten.

Kinder lernten vor allem durch Beobachtung und Beteiligung. Sie sahen, wie Erwachsene Felle bearbeiteten, Nahrung vorbereiteten, Werkzeuge herstellten oder Spuren deuteten. Sobald sie dazu in der Lage waren, übernahmen sie kleine Aufgaben.

Dazu konnte das Sammeln von Brennmaterial, das Holen kleiner Gegenstände, die Mithilfe beim Sortieren von Beeren oder das Aufpassen auf jüngere Kinder gehören. Mit zunehmendem Alter wurden die Aufgaben anspruchsvoller. Jugendliche begleiteten Erwachsene bei der Jagd, beim Fischfang oder auf Reisen und lernten dabei nicht nur einzelne Handgriffe, sondern auch das richtige Verhalten in schwierigen Situationen.

Spiel und Ausbildung ließen sich dabei kaum voneinander trennen. Ein kleiner Bogen, ein geschnitztes Tier oder ein nachgebautes Boot waren Spielzeuge, konnten zugleich aber auf spätere Aufgaben vorbereiten. Organische Spielsachen aus Holz, Rinde, Gras oder Schilf sind archäologisch kaum erhalten. Dass Kinder mit solchen Materialien arbeiteten und die Tätigkeiten der Erwachsenen nachahmten, ist jedoch eine gut begründete Annahme.

Eine streng festgelegte Rollenverteilung lässt sich für das südliche Labrador um das Jahr 1000 nicht im Einzelnen nachweisen. Aus späteren Traditionen ist bekannt, dass Männer häufiger für weitreichende Jagden und bestimmte schwere Arbeiten zuständig waren, während Frauen eine zentrale Rolle bei der Verarbeitung von Nahrung, beim Gerben und Nähen, bei der Herstellung von Kleidung sowie bei der Versorgung kleiner Kinder übernahmen.

Diese Aufteilung darf jedoch nicht als starres Gesetz verstanden werden. In einer kleinen Gemeinschaft musste jeder Mensch über vielfältige Fähigkeiten verfügen. Krankheit, Tod, Abwesenheit oder eine erfolglose Jagd konnten jederzeit dazu führen, dass Aufgaben anders verteilt werden mussten.

Über Schwangerschaft, Geburt und Säuglingspflege um das Jahr 1000 liegen keine direkten Berichte vor. Geburten dürften von erfahrenen Frauen begleitet worden sein. Säuglinge wurden wahrscheinlich eng am Körper getragen und über einen längeren Zeitraum gestillt. Das lange Stillen konnte zugleich größere Abstände zwischen den Geburten begünstigen.

Konkrete pflanzliche Mittel zur Förderung oder Verhinderung einer Schwangerschaft sind für diese Region und Zeit nicht sicher belegt. Auch feste Initiationsrituale beim Übergang ins Erwachsenenalter lassen sich nicht nachweisen.

Wahrscheinlicher ist, dass ein junger Mensch schrittweise als erwachsen anerkannt wurde. Entscheidend war, ob er Verantwortung übernehmen, eine Aufgabe zuverlässig ausführen und zum Leben der Gemeinschaft beitragen konnte. Eine erste erfolgreiche Jagd, das sichere Beherrschen eines Bootes oder die selbstständige Herstellung wichtiger Gegenstände konnten sichtbare Zeichen dieses Übergangs sein.

Hunde sind für die späteren Innu durch mündliche Überlieferungen und historische Berichte gut belegt. Sie begleiteten die Menschen bei der Jagd, halfen beim Aufspüren von Wild und konnten Lasten ziehen oder tragen. Ein unmittelbarer archäologischer Nachweis für eine Dorfgemeinschaft im südlichen Labrador um das Jahr 1000 fehlt zwar bislang. Da Hunde jedoch bereits lange vor der europäischen Ankunft in Nordamerika verbreitet waren und fest zur später überlieferten Lebensweise der Innu gehörten, ist ein Hund in einer an ihren Vorfahren orientierten Gemeinschaft historisch plausibel. Für die weiter nördlich lebende Dorset-Kultur gibt es dagegen keine Hinweise auf eine regelmäßige Hundehaltung.

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3. Gemeinschaft und Zusammenleben

Das Überleben in Labrador war nicht allein durch individuelles Können möglich. Selbst ein ausgezeichneter Jäger war auf andere Menschen angewiesen. Kleidung musste hergestellt, Nahrung verarbeitet, Ausrüstung repariert und Wissen weitergegeben werden. Krankheit, Verletzungen und schlechte Jagdjahre konnten jeden treffen.

Die Gemeinschaft bot deshalb eine Form der Sicherheit, die kein einzelner Mensch für sich allein herstellen konnte.

Die Gruppen waren vermutlich nicht wie europäische Dörfer mit festen Ämtern, geschriebenen Regeln oder einem dauerhaft herrschenden Oberhaupt organisiert. Archäologische Funde können politische Strukturen ohnehin nur sehr begrenzt sichtbar machen. Später dokumentierte Innu-Gruppen lebten in kleinen, beweglichen Verbänden aus mehreren Familien.

Einfluss entstand wahrscheinlich durch Erfahrung, Wissen, Verwandtschaft und persönliche Anerkennung. Ein besonders erfolgreicher Jäger konnte in Fragen der Jagd großes Gewicht besitzen. Eine erfahrene Frau konnte bei der Herstellung von Kleidung, bei Geburten oder in familiären Angelegenheiten eine zentrale Stellung einnehmen. Ältere Menschen konnten aufgrund ihrer Erinnerungen und Kenntnisse gehört werden.

Das bedeutete jedoch nicht, dass eine Person über sämtliche Lebensbereiche entschied. Unterschiedliche Situationen verlangten unterschiedliches Wissen.

Viele Entscheidungen dürften im Gespräch entstanden sein. Das war nicht nur eine Frage der Gleichberechtigung, sondern auch der praktischen Notwendigkeit. Wer Menschen zu einer langen Reise, einer Jagd oder einem Lagerwechsel bewegen wollte, war auf deren Zustimmung und Mitarbeit angewiesen.

Das Teilen von Nahrung war von großer Bedeutung. Eine große Beute ließ sich kaum von einer einzelnen Familie vollständig nutzen, während eine erfolglose Jagd eine Familie in Gefahr bringen konnte. Gemeinsame Jagden und die Verteilung der Beute stärkten deshalb nicht nur den Zusammenhalt, sondern verringerten das Risiko für alle Beteiligten. Auch in heutigen und historisch dokumentierten indigenen Karibukulturen ist die Jagd eng mit Gegenseitigkeit, Wissensweitergabe und sozialem Zusammenhalt verbunden.

Persönliche Gegenstände konnten einzelnen Menschen gehören. Bei Nahrung, Jagderfolg und der Nutzung bestimmter Plätze dürfte die Trennung zwischen individuellem und gemeinschaftlichem Anspruch jedoch weniger eindeutig gewesen sein als in einer europäischen Eigentumsordnung.

Wie Streitigkeiten gelöst wurden, ist für das Jahr 1000 nicht überliefert. In einer kleinen Gruppe konnten lang andauernde Konflikte jedoch die Sicherheit aller gefährden. Vermittlung, zeitweilige Trennung oder der Wechsel in eine andere Familiengruppe waren wahrscheinlich sinnvoller als eine dauerhafte offene Auseinandersetzung.

Auch Gastfreundschaft darf nicht mit bedingungslosem Vertrauen verwechselt werden. Bekannte Besucher und verwandte Gruppen konnten willkommen sein. Fremde Menschen wurden vermutlich zunächst genau beobachtet. Wer friedliche Absichten zeigte, Nahrung teilte oder gemeinsame Verbindungen nachweisen konnte, hatte bessere Chancen auf Aufnahme.

Die Gemeinschaft war damit weder vollkommen harmonisch noch streng hierarchisch. Sie bestand aus Menschen mit persönlichen Interessen, Freundschaften, Bindungen und Konflikten. Zusammengehalten wurde sie durch Verwandtschaft, gegenseitige Abhängigkeit und das Wissen, dass niemand die Bedingungen Labradors dauerhaft allein bewältigen konnte.

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4. Große Treffen, Handel und Austausch

Die meisten Menschen lebten einen großen Teil des Jahres in kleinen Gruppen. Zu bestimmten Zeiten konnten sich jedoch mehrere dieser Gruppen an einem Ort versammeln.

Solche Zusammenkünfte fanden besonders dort statt, wo für eine begrenzte Zeit reichlich Nahrung verfügbar war. Das konnte an einem fischreichen Fluss, an einem Küstenplatz, in einem Gebiet mit vielen Wasservögeln oder in der Nähe einer Karibuwanderung geschehen.

Später dokumentierte Innu-Traditionen beschreiben größere saisonale Treffen, bei denen Menschen handelten, Ehen geschlossen wurden, Feste stattfanden und soziale Verbindungen erneuert wurden.

Ein solches Treffen war nicht nur ein Fest. Es war zugleich Nachrichtenbörse, Handelsplatz, Familienzusammenkunft und politischer Raum. Menschen erfuhren, wo Tiere gesichtet worden waren, welche Wege benutzbar waren, wo Krankheiten aufgetreten waren oder welche Gruppe Hilfe benötigte.

Für junge Menschen boten diese Treffen die Möglichkeit, Angehörige anderer Gruppen kennenzulernen. Dadurch konnten neue familiäre Verbindungen entstehen. Bei weit verstreut lebenden Gemeinschaften war dies auch deshalb wichtig, weil Partnerschaften innerhalb eines sehr kleinen und eng verwandten Kreises vermieden werden mussten.

Wie groß ein solches Treffen um das Jahr 1000 werden konnte, ist nicht exakt bekannt. Die frühere Annahme, regelmäßig hätten sich 100 bis 300 Menschen versammelt, ist zu weitgehend. Untersuchungen späterer saisonaler Innu-Lager nennen für größere Plätze eher etwa 50 bis 100 Menschen. Ein Treffen mit mehreren Dutzend Teilnehmern ist deshalb sehr gut vorstellbar. Hundert Menschen sind ebenfalls plausibel. Für mehrere Hundert Teilnehmer fehlt im südlichen Labrador jedoch ein belastbarer Nachweis.

Der Handel verband die Gemeinschaften noch über diese unmittelbaren Treffen hinaus. Besonders eindrucksvoll ist die Verbreitung des sogenannten Ramah-Cherts. Dieses hochwertige Gestein stammt aus dem nördlichen Labrador und eignete sich hervorragend zur Herstellung scharfer Klingen, Spitzen und anderer Werkzeuge.

Funde zeigen, dass Ramah-Chert über sehr große Entfernungen weitergegeben wurde. Werkzeuge oder vorbereitete Rohlinge gelangten von Labrador über zahlreiche Zwischenstationen nach Süden und Westen. Archäologische Untersuchungen haben Ramah-Chert an weit über tausend Fundplätzen im östlichen Nordamerika nachgewiesen.

Das bedeutet nicht, dass einzelne Händler ständig Tausende Kilometer zurücklegten. Wahrscheinlicher ist eine Kette des Austauschs. Eine Gruppe gab Material an eine benachbarte Gruppe weiter, die einen Teil davon später erneut tauschte.

Neben Stein konnten Felle, Häute, besondere Hölzer, Farbstoffe, Schmuckstücke, Informationen und handwerkliches Wissen ausgetauscht werden. Nicht jeder Austausch musste unmittelbar mit einer gleichwertigen Gegengabe beantwortet werden. Ein Geschenk konnte eine Beziehung begründen, Dankbarkeit ausdrücken oder eine spätere Gegenleistung erwarten lassen.

Auch Nachrichten konnten auf diese Weise weit reisen. Die Ankunft einer ungewöhnlichen fremden Gruppe hätte sich deshalb über bestehende Verbindungen verbreiten können. Nicht innerhalb weniger Stunden und wahrscheinlich auch nicht über den gesamten Kontinent, aber schrittweise von Lager zu Lager und von Treffen zu Treffen.

Das große Treffen im Roman besitzt damit eine tragfähige historische Grundlage. Es sollte allerdings nicht als riesiges Volksfest nach europäischem Vorbild verstanden werden. Seine Bedeutung entstand nicht allein durch die Anzahl der Menschen, sondern durch die Seltenheit des Ereignisses und durch die vielen Aufgaben, die an einem solchen Ort gleichzeitig erfüllt wurden.

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5. Nahrung, Sammeln und Vorratshaltung

Die Ernährung der Menschen im südlichen Labrador beruhte hauptsächlich auf tierischen Nahrungsmitteln. Landwirtschaft war unbekannt. Die Menschen mussten das nutzen, was die Landschaft zu verschiedenen Zeiten zur Verfügung stellte.

Karibus spielten eine besonders wichtige Rolle. Ein einziges Tier lieferte nicht nur Fleisch, sondern auch Fett, Knochenmark, Häute, Sehnen, Knochen, Geweih und Zähne. Viele dieser Materialien wurden anschließend für Kleidung, Behausungen, Werkzeuge und Schmuck verwendet.

Daneben gehörten Fische, Robben, Wasservögel, Eier, kleinere Säugetiere und regional weitere Tiere zur Ernährung. Die Menschen waren nicht von einer einzigen Beuteart abhängig. Diese Vielfalt war entscheidend, weil Tierbestände schwanken und Wanderungen ausbleiben konnten.

Pflanzliche Nahrung bildete wahrscheinlich einen kleineren, aber keineswegs bedeutungslosen Teil der Ernährung. Die Menschen wussten, welche Beeren, Kräuter und Blätter essbar waren und zu welcher Zeit sie gesammelt werden konnten.

Als wahrscheinlich genutzte Pflanzen werden unter anderem Blaubeeren, Himbeeren, Traubenkirschen, Holunderbeeren, Löwenzahnblätter und Labrador-Tee genannt. Bei einzelnen Arten bleibt unsicher, wie weit sich ihre Nutzung unmittelbar bis in die Zeit um das Jahr 1000 zurückverfolgen lässt. Das grundlegende Wissen über essbare und ungenießbare Pflanzen war jedoch eine unverzichtbare Voraussetzung des Lebens in dieser Landschaft.

Die Nahrung wurde möglichst vollständig genutzt. Bei einem Karibu waren besonders Fett und Knochenmark wertvoll. In einer stark fleischbasierten Ernährung war Fett ein wichtiger Energielieferant. Ein sehr mageres Tier konnte trotz großer Fleischmenge weniger nahrhaft sein als ein kleineres Tier mit guten Fettreserven.

Frisches Fleisch und Fisch konnten über dem Feuer gebraten oder in geeigneten Gefäßen gegart werden. Behälter aus Birkenrinde ließen sich mit Wasser füllen. Wurden erhitzte Steine hineingelegt, konnte das Wasser erwärmt oder zum Kochen gebracht werden, ohne dass die Rinde unmittelbar verbrannte. Diese Technik ist für verwandte nordöstliche First-Nations-Kulturen gut dokumentiert, für jedes einzelne Lager im südlichen Labrador um das Jahr 1000 jedoch nicht unmittelbar nachweisbar.

Die Haltbarmachung war besonders wichtig. Fleisch und Fisch konnten getrocknet werden. Rauch über einer Feuerstelle beschleunigte das Trocknen und erschwerte den Verderb. Fett und getrocknetes Fleisch konnten getrennt oder gemeinsam aufbewahrt werden. Auch Beeren ließen sich trocknen.

Wie lange ein Vorrat hielt, hing von der Temperatur, der Feuchtigkeit, dem Fettgehalt und der Sorgfalt bei der Verarbeitung ab. Kälte konnte die Lagerung erleichtern, machte die Menschen aber nicht unabhängig von sorgfältiger Planung.

Vorräte mussten vor Tieren, Feuchtigkeit und Verunreinigung geschützt werden. Archäologische Fundplätze in Labrador enthalten neben Feuerstellen auch Hinweise auf Lager- und Vorratsplätze. Die genaue Bauweise solcher Speicher ist für die hier beschriebene Gruppe jedoch nur unvollständig rekonstruierbar.

Eine erfolgreiche Jagd bedeutete daher nicht automatisch Sicherheit. Das Tier musste schnell zerlegt, verarbeitet, verteilt und haltbar gemacht werden. Ähnliches galt für einen guten Fischfang oder eine große Beerenernte.

Nahrung war zudem mehr als Brennstoff für den Körper. Gemeinsames Essen schuf Verbindung. Eine reichliche Mahlzeit nach einer erfolgreichen Jagd konnte Dankbarkeit, Gemeinschaft und spirituelle Vorstellungen miteinander verbinden. In später dokumentierten Innu-Traditionen wurde das Karibu bei einem besonderen Gemeinschaftsmahl, dem Mokushan, geehrt. Ob dieses Fest um das Jahr 1000 bereits in genau derselben Form existierte, lässt sich nicht beweisen. Die tiefe materielle und spirituelle Bedeutung des Karibus reicht jedoch wahrscheinlich weit zurück.

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6. Fischfang

Fische waren besonders dort wichtig, wo Flüsse, Seen und Küstengewässer regelmäßig genutzt werden konnten. Im südlichen Labrador boten zahlreiche Gewässer geeignete Fangplätze.

Der Fischfang war jahreszeitlich geprägt. Besonders ertragreich waren Zeiten, in denen sich Fische an bestimmten Stellen sammelten oder flussaufwärts zu ihren Laichgebieten zogen. Wer den richtigen Ort und den richtigen Zeitpunkt kannte, konnte in kurzer Zeit größere Mengen fangen.

Archäologische und ethnografische Untersuchungen zeigen, dass Fische im Landesinneren eine wichtige Ergänzung zur Karibujagd bildeten. An der Küste kamen weitere maritime Nahrungsquellen hinzu. Frühjahrslager konnten zugleich dem Fischfang und der Jagd auf Wasservögel dienen.

Die genaue Fischereitechnik der Menschen im südlichen Labrador um das Jahr 1000 lässt sich nicht vollständig rekonstruieren. Holz, Pflanzenfasern und Sehnen sind nur selten erhalten. Dadurch fehlen häufig gerade diejenigen Bestandteile, aus denen Netze, Schnüre, Reusen oder Fischspeere hergestellt wurden.

Steinerne, knöcherne oder aus Geweih gefertigte Spitzen zeigen jedoch, dass die Menschen über geeignete Werkzeuge zur Jagd und Fischerei verfügten. Aus vergleichbaren nordöstlichen First-Nations-Kulturen sind Fischspeere, Haken, Netze und Sperren in schmalen Gewässern bekannt.

Für den Roman ist daher sowohl das Fischen vom Ufer als auch aus einem Kanu plausibel. An flachen Stellen konnten Fische mit einem Speer erbeutet werden. Haken und Schnüre eigneten sich für tiefere Gewässer. Netze oder einfache Sperren konnten dort genutzt werden, wo sich Fische auf engem Raum bewegten.

Ein erfahrener Fischer musste das Wasser lesen können. Strömung, Wassertemperatur, Jahreszeit, Wind, Trübung und das Verhalten von Vögeln konnten Hinweise geben. Ein Platz, der an einem Tag leer erschien, konnte kurze Zeit später voller Fische sein.

Nach dem Fang begann sofort die Verarbeitung. Fische konnten frisch gegessen, getrocknet oder geräuchert werden. Bei einem großen Fang war die Geschwindigkeit dieser Arbeit entscheidend. Nicht nur die Fischer, sondern viele Mitglieder der Gemeinschaft waren dann an Reinigung, Zerteilung, Trocknung und Lagerung beteiligt.

Der Fischfang war deshalb keine nebensächliche Beschäftigung. Er konnte zeitweise zur wichtigsten Nahrungsquelle werden und half dabei, die Abhängigkeit von einer erfolgreichen Karibujagd zu verringern.

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7. Jagd

Die Jagd gehörte zu den anspruchsvollsten Tätigkeiten des täglichen Lebens. Sie erforderte körperliche Ausdauer, genaue Beobachtung und ein tiefes Verständnis des Verhaltens der Tiere.

Karibus waren für die First-Nations-Gruppen Labradors von herausragender Bedeutung. Ihre Wanderungen beeinflussten Reisewege, Lagerplätze und den Jahresrhythmus. Die Menschen mussten wissen, wo sich die Tiere zu einer bestimmten Jahreszeit wahrscheinlich aufhielten und welche natürlichen Engstellen sie nutzten.

Fährtenlesen war dabei unverzichtbar. Ein erfahrener Jäger konnte anhand der Größe und Tiefe eines Abdrucks, der Schrittlänge, der Laufrichtung und des Zustands der Spur zahlreiche Hinweise gewinnen.

Bei Karibus ließ sich eine kleine Spur von der eines ausgewachsenen Tieres unterscheiden. Begleitende Spuren konnten zeigen, ob ein Kalb mit einem Muttertier unterwegs war. Schnee, Schlamm oder weicher Boden lieferten besonders deutliche Abdrücke. Auf Stein oder trockenem Untergrund mussten abgebrochene Zweige, Haare, Losung und andere Zeichen einbezogen werden.

Die Jagd konnte allein oder in Gruppen erfolgen. Ein einzelner Jäger konnte sich an ein Tier anschleichen oder an einer bekannten Wechselstelle warten. Bei größeren Herden war gemeinschaftliches Vorgehen besonders wirksam.

Aus späteren Innu-Traditionen sind Treibjagden bekannt, bei denen Karibus mithilfe von Zäunen, Leitvorrichtungen oder natürlichen Engstellen in einen Bereich geführt wurden, in dem mehrere Jäger sie mit Speeren töten konnten. Die Einführung von Feuerwaffen verringerte später die Notwendigkeit solcher großen gemeinschaftlichen Jagden. Daraus lässt sich schließen, dass entsprechende Formen der Zusammenarbeit bereits vor dem europäischen Kontakt eine wichtige Rolle spielten.

Als Waffen kamen Speere sowie Pfeil und Bogen infrage. Archäologische Point-Revenge-Fundplätze enthalten charakteristische Projektilspitzen, beidseitig bearbeitete Steinklingen, Schaber und Abschläge aus Ramah-Chert.

Ein Pfeil musste nicht sofort tödlich sein. Nach einem Treffer konnte ein verletztes Tier noch weit fliehen. Der Jäger musste Blutspuren lesen, das Tier verfolgen und vermeiden, es durch unvorsichtiges Vorgehen immer weiterzutreiben.

Nach der Tötung wurde ein großes Karibu normalerweise nicht als vollständiger Körper zum Lager getragen. Ein ausgewachsenes Tier konnte weit über hundert Kilogramm wiegen. Es wurde am Jagdplatz zerlegt und in mehreren Lasten transportiert. Ein sehr junges Kalb konnte von einem kräftigen Erwachsenen getragen werden, ein ausgewachsenes Tier dagegen nicht.

Junge Karibus hielten sich meistens in der Nähe ihrer Mutter auf. Ein scheinbar alleinstehendes Kalb konnte kurzfristig getrennt worden sein, während sich das Muttertier noch in der Umgebung befand.

Neben Karibus wurden kleinere Säugetiere und Vögel genutzt. Schlingen und Fallen sind für solche Tiere sehr plausibel, hinterlassen aber nur selten eindeutige archäologische Spuren. Auch Bären konnten gejagt oder in besonderen Situationen erlegt werden. Ihre Gefährlichkeit verlangte Erfahrung und Vorsicht.

An der Küste kamen Robben und andere Meerestiere hinzu. Sie konnten vom Ufer, vom Eis oder vom Boot aus gejagt werden. Speere und Harpunen eigneten sich besser als gewöhnliche Pfeile, weil ein getroffenes Tier sonst im Wasser verloren gehen konnte.

Die Jagd endete nicht mit dem Tod des Tieres. Häute mussten abgezogen, Fleischstücke getrennt, Sehnen entnommen und Knochen aufgebrochen werden. Schaber und scharfe Abschläge aus Stein waren dabei wichtige Werkzeuge.

Das Tier wurde möglichst umfassend genutzt. Diese Nutzung war zugleich praktisch und respektvoll. In später überlieferten Innu-Vorstellungen galt eine erfolgreiche Jagd nicht als einseitiger Sieg des Menschen. Das Tier stellte sich zur Verfügung und musste deshalb richtig behandelt werden. Besonders die Knochen konnten rituell aufbewahrt oder beseitigt werden.

Hunde konnten die Jäger beim Aufspüren und Verfolgen von Wild begleiten. Für die späteren Innu ist diese Verwendung durch mündliche Überlieferungen und historische Berichte gut belegt. Ein direkter archäologischer Nachweis für die Jagd mit Hunden im südlichen Labrador um das Jahr 1000 fehlt zwar bislang. Da Hunde jedoch bereits lange vor der Ankunft der Europäer in Nordamerika verbreitet waren und zur später überlieferten Lebensweise der Innu gehörten, ist ihr Einsatz in einer an ihren Vorfahren orientierten Gemeinschaft historisch plausibel.

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8. Wohnen, Feuer und Kochen

Die Behausungen mussten warm, schnell zu errichten und an wechselnden Orten nutzbar sein. Massive dauerhafte Häuser hätten schlecht zu einer beweglichen Lebensweise gepasst.

Für die späteren Innu sind Zelte mit Abdeckungen aus Baumrinde oder Karibuhaut dokumentiert. Auch für die Vorfahren der Innu werden solche Materialien angenommen. Birkenrinde und Tierhäute konnten transportiert oder an einem neuen Lagerplatz erneut beschafft werden.

Das Grundgerüst bestand aus Holzstangen. Je nach Bauweise konnte die Behausung rund, oval oder länglich sein. Archäologische Fundplätze zeigen entsprechend geformte Feuerstellen und Spuren von Zeltplätzen. An einem Fundort wurde eine etwa fünf Meter große, leicht ovale Zeltstruktur mit einer flachen Steinfeuerstelle festgestellt.

Die Abdeckung musste Wind und Niederschlag abhalten, gleichzeitig aber den Rauch des Feuers entweichen lassen. Kleine Öffnungen konnten mit Fellen, Rinde oder anderen Materialien verschlossen werden.

Im Inneren bildete die Feuerstelle den Mittelpunkt. Sie spendete Wärme und Licht und diente der Zubereitung von Nahrung. Nasse Kleidung und Ausrüstung konnten in ihrer Nähe getrocknet werden.

Der Rauch war nicht nur lästig. Er half dabei, Insekten fernzuhalten und konnte Fleisch oder Fisch trocknen. Gleichzeitig musste die Luftzirkulation stimmen, damit sich der Rauch nicht vollständig im Innenraum sammelte.

Als Schlafunterlage konnten Zweige von Nadelbäumen dienen. Darüber wurden Felle gelegt. Diese Schichtung isolierte gegen den kalten Boden und war leichter zu erneuern als eine schwere dauerhafte Einrichtung.

Persönliche Gegenstände, Werkzeuge und Lebensmittel mussten geordnet aufbewahrt werden. In einer kleinen Behausung durfte nichts unnötig Platz beanspruchen. Gegenstände wurden vermutlich aufgehängt, an den Wänden abgelegt oder in Behältern aus Rinde, Holz oder Haut verwahrt.

Kleinere Familien besaßen eigene Zelte. Zu bestimmten Zeiten konnten mehrere Familien eine größere gemeinsame Behausung nutzen. Ein langgestrecktes Shaputuan wurde archäologisch auch an der Küste Labradors nachgewiesen. Die genaue Datierung und Nutzung solcher Bauten war jedoch nicht überall gleich.

Die Behausung war damit kein festes Haus im europäischen Sinn. Sie war ein anpassbarer Lebensraum, der mit dem Wissen und den Materialien der Umgebung immer wieder neu geschaffen werden konnte.

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9. Handwerk und Bootsbau

Fast jeder Gegenstand des täglichen Lebens musste aus Materialien hergestellt werden, die in der Umgebung vorhanden waren. Das erforderte ein umfangreiches handwerkliches Wissen.

Stein war besonders wichtig für schneidende und durchdringende Werkzeuge. Ramah-Chert ließ sich gezielt in scharfkantige Abschläge zerlegen. Daraus konnten Pfeil- und Speerspitzen, Messer, Schaber und andere Werkzeuge entstehen.

Ein fertiges Werkzeug begann häufig mit einem vorbereiteten Rohstück. Durch kontrollierte Schläge wurden zunächst größere Teile entfernt. Anschließend bearbeitete der Hersteller die Kanten immer feiner. Ein Fehler konnte das Werkstück unbrauchbar machen.

Nicht jeder Abschlag war Abfall. Eine dünne, scharfe Kante konnte unmittelbar zum Schneiden dienen. Stumpf gewordene Werkzeuge ließen sich nacharbeiten, bis sie zu klein wurden oder brachen.

Schaber wurden zur Bearbeitung von Häuten und Holz benötigt. Bohrer und Spitzen konnten aus Stein oder Knochen gefertigt werden. Knochen, Geweih und Zähne lieferten Material für Nadeln, Pfrieme, Harpunenteile, Griffe, Schmuck und zahlreiche weitere Gegenstände.

Holz wurde für Speerschäfte, Bogen, Pfeile, Schalen, Griffe, Behausungen und Boote verwendet. Die Bearbeitung mit Steinwerkzeugen war langsamer als mit modernen Metallklingen, aber keineswegs ungenau. Ein guter Handwerker konnte Holz spalten, schaben, glätten und durch Wärme biegen.

Pflanzenmaterialien und Wurzeln dienten zum Binden, Nähen und Befestigen. Tiersehnen ergaben belastbare Fäden. Harze konnten zum Abdichten, Kleben oder Schützen verwendet werden.

Ein Gegenstand bestand häufig aus mehreren Materialien. Eine steinerne Spitze wurde an einem Holzschaft befestigt. Eine Knochennadel arbeitete mit einem Faden aus Sehne. Ein Boot verband Holz, Rinde, Wurzeln und Harz.

Für die hier beschriebene First-Nations-Bevölkerung ist das Birkenrindenkanu der am besten passende Bootstyp. Die späteren Innu verfügten über eine hoch entwickelte Reisetechnik und nutzten im Sommer Birkenrindenkanus, während im Winter Schneeschuhe und Schlitten zum Einsatz kamen. Auch die Darstellung der vorkontaktzeitlichen Point-Revenge-Gruppen nennt Birkenrinde als Material für Kanus und Behälter.

Ein Kanu bestand aus einem leichten Holzgerüst. Die äußere Hülle wurde aus großen Stücken Birkenrinde gebildet. Nähte ließen sich mit gespaltenen Wurzeln verbinden und mit Harz abdichten.

Im Inneren stabilisierten Rippen und Querstreben die Form. Das Boot musste leicht genug bleiben, um es an Hindernissen über Land tragen zu können. Gerade in einem Gebiet mit vielen Flüssen, Seen und Stromschnellen war diese Tragbarkeit ein großer Vorteil.

Kanus konnten unterschiedliche Größen besitzen. Ein kleines Boot eignete sich für ein oder zwei Menschen und wenig Gepäck. Größere Kanus konnten mehrere Personen, Vorräte und Teile einer Jagdbeute aufnehmen.

Sie wurden mit Paddeln angetrieben. Ein Segel ist für diese Bootstradition nicht belegt. Auf Flüssen und Seen waren die Kanus sehr beweglich. In geschützten Küstengewässern konnten sie ebenfalls eingesetzt werden, für weite Fahrten über offenes und stürmisches Meer waren sie jedoch nicht mit einem nordischen Segelschiff vergleichbar.

Schäden ließen sich unterwegs reparieren. Ein Riss in der Rinde konnte mit einem neuen Stück überdeckt, vernäht und abgedichtet werden. Diese Reparierbarkeit war ein wesentlicher Bestandteil der Bauweise.

Hautboote und Kajaks gehören deutlicher zur arktischen und späteren Inuit-Bootstradition. Für eine First-Nations-Gemeinschaft im südlichen Labrador sollte deshalb das Birkenrindenkanu im Mittelpunkt stehen. Ein Hautboot kann für andere Regionen und Kulturen Labradors passend sein, ist für das hier beschriebene Dorf aber nicht die sicherste Wahl.

Das Handwerk war keine vom übrigen Leben getrennte Beschäftigung. Herstellung und Reparatur begleiteten den Alltag. Werkzeuge nutzten sich ab, Kleidung riss, Bindungen lösten sich und Boote wurden beschädigt. Ein Mensch, der solche Probleme lösen konnte, trug unmittelbar zur Sicherheit der gesamten Gruppe bei.

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10. Kleidung

Kleidung musste in Labrador vor Kälte, Wind, Feuchtigkeit und Verletzungen schützen. Sie war keine einfache Umhüllung des Körpers, sondern ein hoch spezialisiertes Überlebensmittel.

Karibuhaut war besonders wertvoll. Sie war warm, vergleichsweise leicht und konnte für unterschiedliche Kleidungsstücke verarbeitet werden. Die hohlen Haare des Karibufells schließen Luft ein und sorgen für eine sehr gute Wärmedämmung.

Für die vorkontaktzeitlichen Vorfahren der Innu werden Mäntel, Hosen, Kapuzen, Mokassins und Beinbekleidungen aus Karibuhaut angenommen. Häute dienten außerdem als Abdeckung für Zelte.

Bevor aus einer Haut Kleidung entstehen konnte, musste sie sorgfältig bearbeitet werden. Fleisch- und Fettreste wurden mit Schabern entfernt. Anschließend musste die Haut getrocknet, weich gemacht und immer wieder gedehnt oder bearbeitet werden.

Je nach Verwendungszweck konnte das Fell erhalten bleiben oder entfernt werden. Eine Winterkleidung benötigte andere Eigenschaften als ein leichteres Kleidungsstück für wärmere Monate.

Genäht wurde mit Nadeln oder Pfriemen aus Knochen und mit Fäden aus Tiersehnen. Eine schlecht ausgeführte Naht konnte Wind oder Wasser eindringen lassen. Kleidung musste deshalb genau angepasst und regelmäßig ausgebessert werden.

Mokassins und andere Fußbekleidungen waren besonders starkem Verschleiß ausgesetzt. Nässe, Steine, Schnee und lange Märsche beanspruchten das Material. Ersatzteile und Reparaturwissen waren entsprechend wichtig.

Zur Kleidung gehörten wahrscheinlich auch Handschuhe, Kopfbedeckungen und Beinlinge. Die genaue Form einzelner Kleidungsstücke um das Jahr 1000 ist nicht vollständig rekonstruierbar.

Später erhaltene Innu-Kleidungsstücke zeigen bemalte und gewebte Verzierungen. Auch Gebrauchsgegenstände wurden geschmückt. Daraus darf nicht automatisch geschlossen werden, dass sämtliche bekannten Muster bereits tausend Jahre zuvor bestanden. Es zeigt jedoch, dass Funktion und Gestaltung einander nicht ausschlossen.

Kleidung konnte etwas über Geschick, Zugehörigkeit oder persönliche Vorlieben ausdrücken. Vor allem aber bewies sie die Fähigkeit, die Eigenschaften eines Materials genau zu verstehen.

Die Wikinger trugen überwiegend gewebte Kleidung aus Wolle und Leinen und ergänzten diese durch Leder und Felle. Die indigene Kleidung beruhte wesentlich stärker auf vollständig verarbeiteten Tierhäuten. Beide Systeme waren an unterschiedliche handwerkliche Traditionen angepasst.

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11. Medizin, Pflege und Alter

Über die medizinischen Fähigkeiten der Menschen im südlichen Labrador um das Jahr 1000 wissen wir deutlich weniger als über ihre Jagdgeräte oder Feuerstellen.

Krankheiten und Heilverfahren hinterlassen nur selten eindeutige Spuren. Schriftliche Berichte existieren nicht. Später dokumentierte Heiltraditionen können Hinweise geben, dürfen aber nicht unverändert um viele Jahrhunderte zurückversetzt werden.

Sicher ist, dass die Menschen ihre Pflanzenwelt sehr genau kannten. Dieses Wissen beschränkte sich nicht auf Nahrung. Pflanzen wurden auch als Brennstoff, Baumaterial, Unterlage, Bindematerial und wahrscheinlich zu medizinischen Zwecken verwendet.

Für vorkontaktzeitliche Point-Revenge-Gruppen werden unter anderem aufgekochte Traubenkirschrinde bei Husten und zerdrückte Hahnenfußblätter gegen Kopfschmerzen als mögliche Anwendungen genannt. Solche Zuordnungen beruhen auf späteren Überlieferungen und wissenschaftlichen Rekonstruktionen, nicht auf erhaltenen Rezepten aus dem Jahr 1000.

Harz, Rinde, Moose und andere Naturmaterialien konnten bei der Versorgung kleiner Verletzungen nützlich sein. Wunden mussten gereinigt, Blutungen gestillt und verletzte Körperteile ruhiggestellt werden. Welche konkreten Techniken verwendet wurden, ist für diese Region jedoch nicht ausreichend belegt.

Kleinere Eingriffe wie das Entfernen eines Splitters, das Säubern einer Wunde oder das Öffnen einer Eiteransammlung waren mit scharfen Steinklingen grundsätzlich möglich. Einen archäologischen Nachweis für regelrechte Operationen nach dem Vorbild altägyptischer Medizin gibt es nicht.

Auch die Existenz eines ausschließlich medizinisch tätigen Spezialisten ist nicht nachweisbar. Spätere Innu-Traditionen kannten Menschen mit besonderer spiritueller Kraft, die in europäischen Beschreibungen häufig als Schamanen bezeichnet wurden. Sie deuteten Träume, begleiteten Rituale und konnten bei Krankheit eine wichtige Rolle übernehmen. Körperliche, seelische und spirituelle Ursachen wurden dabei nicht so klar voneinander getrennt wie in der heutigen westlichen Medizin.

Pflege war nicht nur eine Frage besonderer Heilmittel. Ein kranker oder verletzter Mensch benötigte Wärme, Nahrung, Schutz und Unterstützung. In einer kleinen Gemeinschaft mussten andere seine Aufgaben übernehmen.

Ältere Menschen konnten körperlich weniger belastbar werden, besaßen aber weiterhin wertvolles Wissen. Sie erinnerten sich an Wege, besondere Wetterlagen, frühere Jagdjahre, Familienbeziehungen und überlieferte Geschichten.

Archäologie kann die gesellschaftliche Stellung älterer Menschen nur schwer erfassen. Aus später dokumentierten Traditionen ist jedoch bekannt, dass Älteste eine wichtige Rolle bei der Weitergabe von Wissen und bei der Benennung von Kindern spielen konnten.

Es wäre deshalb falsch, ältere oder kranke Menschen nur als Belastung darzustellen. Eine Gemeinschaft bestand nicht ausschließlich aus den körperlich stärksten Mitgliedern. Wissen, Erinnerung, Erfahrung und soziale Bindung besaßen einen eigenen Wert.

Gleichzeitig darf die Härte der Lebensbedingungen nicht romantisiert werden. Schwere Verletzungen, Infektionen, Hungerperioden und Geburtskomplikationen konnten tödlich enden. Die Menschen verfügten über Erfahrung und wirksame praktische Kenntnisse, aber nicht über die Möglichkeiten moderner Medizin.

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12. Naturwissen, Orientierung und spirituelle Vorstellungen

Die Menschen im südlichen Labrador lebten nicht einfach in der Natur. Sie lebten innerhalb eines ihnen vertrauten Geflechts aus Gewässern, Tieren, Pflanzen, Wettererscheinungen und Wegen.

Orientierung begann mit der Erinnerung. Flüsse, Buchten, Inseln, Bergzüge, Felsen und Waldgrenzen bildeten eine geistige Karte. Ein Weg wurde nicht nur durch seine Richtung beschrieben, sondern durch eine Folge bekannter Orte.

Man wusste, an welchem Fluss eine Portage begann, hinter welchem Höhenzug ein See lag und an welchem Ufer sich bei starkem Wind Schutz finden ließ. Reisewege folgten häufig miteinander verbundenen Seen, Flüssen und Tälern. Solche Gewässersysteme bildeten natürliche Korridore durch das Landesinnere.

Sonne und Sterne konnten zusätzliche Orientierung bieten. Windrichtung, Strömung, Schneeverwehungen und Pflanzenbewuchs lieferten weitere Hinweise. Ein einzelnes Zeichen war nicht immer zuverlässig. Entscheidend war das Zusammenspiel vieler Beobachtungen.

Wetterwissen beruhte nicht auf einer abstrakten Vorhersage, sondern auf langjähriger Erfahrung. Wolkenbildung, Windwechsel, Temperatur, Verhalten der Tiere und der Zustand des Wassers konnten ankündigen, dass sich die Bedingungen veränderten.

Dieses Wissen war für Reisen lebenswichtig. Ein aufkommender Sturm konnte ein Kanu in Gefahr bringen. Ein überraschender Temperatursturz konnte nasse Kleidung gefrieren lassen. Tauwetter konnte eine bisher sichere Eisfläche unpassierbar machen.

Auch für Jagd und Sammeln musste die Natur aufmerksam gelesen werden. Die Menschen kannten die Wanderungszeiten von Karibus und Robben, produktive Fischgründe und die Reifezeiten essbarer Pflanzen.

Dieses Wissen wurde nicht in Büchern festgehalten. Es wurde im gemeinsamen Handeln vermittelt: während einer Reise, beim Betrachten einer Spur, beim Bau eines Lagers oder beim Erzählen am Feuer.

Praktisches Naturwissen und Spiritualität waren wahrscheinlich eng miteinander verbunden. Spätere Innu-Vorstellungen sahen Tiere nicht als gefühllose Vorräte, die der Mensch nach Belieben ausbeuten durfte.

Tiere verfügten über geistige Kraft. Ein Jäger war nur dann dauerhaft erfolgreich, wenn er ihnen mit Respekt begegnete. Der Körper eines getöteten Tieres musste richtig behandelt werden. Knochen durften nicht achtlos weggeworfen werden.

Besonders das Karibu verband materielle und spirituelle Bedeutung. Es lieferte Nahrung, Kleidung, Behausungsmaterial und Werkstoffe. Zugleich stand es im Mittelpunkt von Erzählungen, Liedern und Ritualen.

Spätere Innu-Schamanen versuchten mithilfe von Träumen, Gesängen und Trommeln Hinweise auf den Jagderfolg zu erhalten. Auch einzelne Menschen konnten durch Träume oder persönliche Erlebnisse eine besondere Verbindung zur Tierwelt erfahren.

Ob sämtliche später dokumentierten Rituale bereits um das Jahr 1000 in derselben Form bestanden, ist nicht beweisbar. Ein enger Zusammenhang zwischen Jagd, Respekt vor den Tieren und spirituellen Vorstellungen ist jedoch historisch gut begründet.

Der Begriff „Naturglaube“ kann dabei irreführend sein. Er klingt, als hätten die Menschen eine Religion zusätzlich zu ihrem Alltag besessen. Wahrscheinlicher ist, dass Jagd, Nahrung, Landschaft, Erinnerung und Spiritualität Teile derselben Weltauffassung waren.

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13. Spiele, Musik und Erzähltradition

Spiele aus Holz, Gras, Rinde oder Knochen bleiben nur selten über Jahrhunderte erhalten. Deshalb kennen wir keine vollständige Sammlung der Spiele, die Kinder im südlichen Labrador um das Jahr 1000 spielten.

Trotzdem ist sicher, dass Kinder nicht ausschließlich arbeiteten oder unterrichtet wurden. Spielen gehört zu allen bekannten menschlichen Gesellschaften.

Viele Spiele dürften Tätigkeiten der Erwachsenen nachgeahmt haben. Kinder konnten mit kleinen Bögen schießen, Tiere verfolgen, Lager nachbauen oder aus Zweigen und Rinde kleine Boote herstellen.

Ein Kind, das aus Schilf, Binsen oder Gras ein Tier formt, ist historisch plausibel. Einen unmittelbaren archäologischen Beleg für eine solche Figur gibt es nicht. Die Materialien standen jedoch zur Verfügung, und die notwendige Technik war einfach genug, um von Kindern erlernt zu werden.

Lauf-, Fang- und Zielspiele benötigten keine dauerhaft erhaltenen Gegenstände. Sie trainierten Schnelligkeit, Gleichgewicht, Aufmerksamkeit und Geschicklichkeit.

Bei größeren Treffen konnten Jugendliche und Erwachsene ihre Fähigkeiten im Laufen, Ringen, Bogenschießen oder Paddeln vergleichen. Konkrete Regeln solcher Wettbewerbe sind für das Jahr 1000 nicht überliefert.

Auch Musik ist archäologisch nur schwer nachweisbar. Ein sehr früher Knochenflötenfund aus dem südlichen Labrador zeigt allerdings, dass Musikinstrumente in der Region bereits Jahrtausende vor der hier behandelten Zeit bekannt waren. Für die späteren Innu sind Trommeln, Gesänge und Tänze dokumentiert.

Musik konnte der Unterhaltung dienen, war aber auch mit Jagd und Spiritualität verbunden. Nach einem gemeinschaftlichen Karibumahl wurden in später dokumentierten Traditionen Trommeln gespielt und Lieder für die Tiergeister gesungen.

Von besonderer Bedeutung war das Erzählen. Geschichten bewahrten Erinnerungen, erklärten Verhaltensregeln und vermittelten Wissen über Tiere, Landschaften und frühere Generationen.

Eine Erzählung musste dabei keine nüchterne Tatsachenbeschreibung sein. Sie konnte historische Erinnerung, persönliche Erfahrung, Humor und spirituelle Bedeutung miteinander verbinden.

Kinder lernten durch solche Geschichten, wie sich ein kluger oder unkluger Mensch verhielt. Sie erfuhren, welche Orte gefährlich waren, weshalb bestimmte Tiere respektiert wurden und welche Folgen ein Regelbruch haben konnte.

Die mündliche Überlieferung war damit kein Ersatz für eine fehlende Schrift. Sie war eine eigene Form der Wissensspeicherung, die eng mit den Menschen verbunden blieb, die sie weitergaben.

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14. Besitz, Schmuck und persönliche Gegenstände

Die Menschen besaßen persönliche Gegenstände, aber ihr Besitz musste zu einer beweglichen Lebensweise passen.

Zu den wichtigsten persönlichen Dingen gehörten Kleidung, Jagdwaffen, Messer, Werkzeuge, Behälter und möglicherweise Schmuckstücke oder Gegenstände mit besonderer Bedeutung.

Ein sorgfältig hergestellter Bogen war nicht beliebig austauschbar. Kleidung wurde an einen bestimmten Menschen angepasst. Ein Messergriff oder Schmuckstück konnte mit einer persönlichen Geschichte verbunden sein.

Gleichzeitig durfte der Besitz nicht so umfangreich werden, dass er jeden Lagerwechsel erschwerte. Manche Gegenstände wurden über längere Zeit gepflegt und mitgeführt. Andere konnten bei Bedarf neu hergestellt werden. Später dokumentierte Innu-Traditionen zeigen, dass stark beanspruchte Gegenstände teilweise ersetzt wurden, weil ihre Neuanfertigung leichter war als ihr ständiger Transport.

Schmuck konnte aus Knochen, Zähnen, Geweih, Muscheln oder besonders auffälligen Steinen bestehen. Auch Ramah-Chert besaß neben seinem praktischen Nutzen wahrscheinlich einen symbolischen Wert.

Seine weite Verbreitung lässt vermuten, dass er nicht ausschließlich wegen seiner Schneidfähigkeit begehrt war. Archäologen diskutieren auch seine rituelle und soziale Bedeutung.

Verzierungen konnten auf Kleidung, Behältern und anderen Gegenständen angebracht werden. Spätere Innu-Stücke zeigen bemalte und gewebte Muster von hoher handwerklicher Qualität. Welche Motive um das Jahr 1000 verwendet wurden, ist unbekannt.

Der persönliche Besitz stand nicht zwangsläufig im Gegensatz zum Teilen. Ein Bogen konnte eindeutig einem Jäger gehören, während die damit erlegte Beute innerhalb der Gruppe verteilt wurde.

Auch Landbesitz darf nicht nach europäischen Maßstäben verstanden werden. Familien und Gruppen kannten und nutzten bestimmte Gebiete, Wege und Lagerplätze. Daraus konnten anerkannte Beziehungen und Nutzungsansprüche entstehen. Eine vermessene, dauerhaft abgegrenzte und frei verkäufliche Fläche war damit jedoch nicht gemeint.

Wohlstand zeigte sich wahrscheinlich weniger in der bloßen Menge angehäufter Gegenstände. Bedeutender waren Fähigkeiten, verlässliche Beziehungen, Wissen und die Fähigkeit, andere Menschen zu unterstützen.

Ein Mensch konnte nur wenige Dinge besitzen und trotzdem innerhalb seiner Gemeinschaft außerordentlich angesehen sein.

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